Zum zweiten Mal eine Philosophie-Medaille
Silber Filipa Lüthy aus Liestal nahm erfolgreich an der Schweizer Philosophie-Olympiade teil

Vor zwei Jahren hat Filipa Lüthy eine Bronzemedaille an der Schweizerischen Philosophie-Olympiade gewonnen. Dieses Jahr reichte es gar zu einer Silbermedaille. In der Finalrunde vom 7. März, die erstmals in Basel stattfand, mussten sich die 15 qualifizierten Jugendlichen für eines von vier zur Wahl stehenden Zitaten entscheiden und einen Essay dazu schreiben. Die Liestalerin Filipa Lüthy wählte ein Zitat von Simone Weil aus: «Es wurde immer wieder gesagt, dass die Macht nichts über das Denken vermag, aber damit es so ist, muss es auch ein Denken geben. Wo irrationale Meinungen an die Stelle von Ideen treten, vermag die Macht alles.»
Dieses Mal hatten 1123 Mittelschüler/-innen aus der ganzen Schweiz an der Vorrunde der Philosophie-Olympiade teilgenommen, wesentlich mehr als in den Vorjahren. Der Grund war, dass die Teilnehmenden nicht mehr direkt einen Qualifikations-Essay einreichen mussten, was die ehrenamtliche Jury jeweils an ihre Grenzen gebracht hatte, sondern einen Online-Test absolvieren mussten. 44 durften zum Semifinal antreten und 15 gelangten schliesslich ins Final. Vier Stunden hatten sie Zeit, um ihr Final-Thema auszuarbeiten. Anschliessend wurden die Essays anonym von Philosophielehrpersonen und Studierenden der Pädagogischen Hochschule Bern bewertet. Laut Jonas Pfister, der die Schweizer Philosophie-Olympiade 2006 gegründet hat, war das Niveau dieses Jahr «ausserordentlich hoch».
Filipa Lüthy legt einen Schwerpunkt ihres Essays darauf, wie Macht – gemäss dem Zitat von Simone Weil – die «irrationalen Meinungen» beeinflusst. Dies erläutert sie am aktuellen Beispiel der USA, «wo Interviews zeigen, wie ein grosser Teil der Bevölkerung Trump gewählt hat, ohne dies faktenbasiert begründen zu können.» Sie äussert jedoch auch Kritik am Weil-Zitat: Es gebe auch irrationale meinungsbildende Mechanismen, die nicht gänzlich von Macht beeinflussbar seien. So hätten Menschen unter dem Nazi-Regime jüdischen Menschen geholfen, ohne sich in jedem Fall auf logische Argumentationen zu beziehen, sondern aus «irrationalem» Mitgefühl. Zudem sei, entgegen dem Zitat, auch das Denken von Macht beeinflussbar. Unter anderem beleuchtet Filipa Lüthy Propaganda und den Angriff auf die Wissenschaft, etwa im Gender-Bereich. Beispielsweise würden manche Republikaner/-innen die Falschinformation verbreiten, dass geschlechtsangleichende Behandlungen oft bereut würden – dies führe dazu, dass selbst ausgebildetes Fachpersonal in seinem Denken auf falsche Schlüsse komme und die Behandlungen ungerechtfertigt kritisiere.
Filipa Lüthy wird dieses Jahr das Gymnasium Liestal abschliessen und plant im Herbst ein Philosophie- und Mathematik-Studium an der Uni Basel zu beginnen. «Diese beiden Bereiche überschneiden sich erstaunlich stark – beispielsweise ähneln mathematische Beweise von der Struktur her philosophischen Argumenten», erklärt sie. Die praktische Seite der Philosophie komplementiere zudem auf angenehme Weise die Mathematik, die oft von der Anwendung entfremdet sei.
Ausserdem möchte Filipa Lüthy bei der Organisation zukünftiger Philosophie-Olympiaden als Freiwillige mithelfen. Eine vage Idee sei zudem, das Studium nach dem Bachelor durch einen Perspektivenwechsel in einem buddhistischen Kloster zu unterbrechen.