Himmelslicht und Höllenfeuer

Baselbieter Konzerte Münchener Kammerorchester in Liestal  

Verbindet «Charme und Eleganz»: Sebastian Bohren als Solist. Fotos: T. Brunnschweiler

Verbindet «Charme und Eleganz»: Sebastian Bohren als Solist. Fotos: T. Brunnschweiler

Brillanter Klangkörper: Münchener Kammerorchester und Sebastian Bohren (Sologeige).

Brillanter Klangkörper: Münchener Kammerorchester und Sebastian Bohren (Sologeige).

Überragende Konzertmeisterin: 
         
         
            Yuki Kasai.

Überragende Konzertmeisterin: Yuki Kasai.

Im 7. Baselbieter Konzert gaben sich am 25. März in der Stadtkirche der Violinist Sebastian Bohren und das Münchener Kammerorchester unter der Leitung von Yuki Kasai die Ehre. Das angekündigte Programm wurde umgestellt: Schuberts Rondo A-Dur für Violine und Streicher fiel weg, und Peteris Vasks’ Violinkonzert Nr. 2 wurde zuerst gespielt. Das Stück mit dem Titel «Im Abendlicht» verhielt sich ähnlich wie exotische Speisen mit fremdartigen Gewürzen: Nicht alle goutierten es gleichermassen. Das einprägsame Werk nimmt einen mit auf eine Reise zu nie gehörten Klängen, eine Reise, auf die man sich einlassen sollte. «Im Abendlicht» schöpft aus der Stimmung der lettischen Natur und strahlt mit fliessenden Klangflächen wie auch meditativen Elementen eine starke Sehnsucht nach Harmonie und Transzendenz aus. Schon der Klanggestus des Anfangs weist auf etwas Abschiedliches hin. Das Orchester überzeugte mit einem homogenen Gesamtklang, Sebastian Bohren mit einem intensiven, insistenten Strich und dem warmen Timbre seiner Guadagnini-Geige von 1761. Bereits die erste Kadenz mit Pizzikati, Saitensprüngen und Doppelgriffen meisterte Bohren virtuos, bevor das Orchester wieder leise einsetzt und einen beinahe überirdisch schönen Klang entwickelt. Das Stück mit minimalistischen Einflüssen wirkt spirituell und lichtdurchflutet, aber immer wieder kommt es zu Dissonanzen und schmerzlichen Eruptionen. Die zweite längere und höchst anspruchsvolle Kadenz durchläuft alle Lagen und Lautstärken, oft subtil, fast erlöschend, um mit einem Glissando zum Dialog mit dem Orchester zurückzukehren; leise verschwebt das Stück im Finale.

Boccherini: Infernalisch brillant

Nach der Pause erklang Othmars Schoecks «Sommernacht» op. 58 von 1945, ein exquisites Werk, das sich durch seine impressionistische Klangsprache und die poetische Stimmung charakterisieren lässt. Es basiert thematisch auf Gottfried Kellers Novelle «Spiegel, das Kätzchen». Das Ensemble vermochte diese träumerische Musik mit einem intensiven, weichen Gesamtklang angemessen zu interpretieren. In den schnellen Bewegungen der Bratschen glaubte man etwa das Herumhüpfen des Kätzchens zu vernehmen. Das letzte Stück, die Sinfonia Nr. 4 op. 12, die später auch «La casa del diavolo» genannt wurde, ist zyklisch aufgebaut. Der erste und dritte Satz startet mit dem gleichen Andante sostenuto in einer düsteren Atmosphäre. Im ersten Satz folgt ein Allegro assai. Besonderen Wert legte der Komponist auf die Stimmen der Celli, da er selbst ein Virtuose auf dem Violoncello war. Das Andantino con moto tastet sich synkopisch vorwärts und kommt ohne Hörner und Oboe aus. Im dritten Satz geht dann die Post ab, nach dem Andante sostenuto ein Allegro con molto, also sehr schnell und mit grosser Energie. Boccherini griff hier auf Glucks «Tanz der Furien» aus der Oper «Orphée et Euridice» zurück. Diese Musik erinnert oft mehr an die 32stel in Vivaldis Concerti grossi als an Haydns Sinfonien. Zurecht gab es Standing Ovations für das Münchener Kammerorchester.

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