Gipfelstürmer auf dem Bienenberg

Liestal 14 internationale Musiktalente absolvieren diese Woche ein intensives Seminar im Bildungszentrum oberhalb von Liestal  

Robert Schumann, Klavierquintett Es-Dur: Üben, unterbrechen, 
         
         
            korrigieren und weiterspielen …  Fotos: T. Brunnschweiler

Robert Schumann, Klavierquintett Es-Dur: Üben, unterbrechen, korrigieren und weiterspielen … Fotos: T. Brunnschweiler

Paul Hindemith, Klavierquartett mit Klarinette: «Sometimes a little bit weird!»

Paul Hindemith, Klavierquartett mit Klarinette: «Sometimes a little bit weird!»

Begnadeter Cellist: Jeremias Luther.

Begnadeter Cellist: Jeremias Luther.

Hochkonzentriert: Violinistin Klara Gronet.

Hochkonzentriert: Violinistin Klara Gronet.

Nein, es geht hier nicht um Alpinismus, sondern um Musik. Unter dem Titel «classic night. Gipfelstürmer 2025» treffen sich während einer Woche auf dem Bienenberg 14 junge Musiktalente und fünf Dozentinnen und Dozenten, um sich auf drei Konzerte am Wochenende vorzubereiten. Es ist ein «Gradus ad Parnassum», ein Aufstieg zum Parnass, der als Sitz der Musen gilt. Diese Talente sind auf dem Weg zum Gipfel. Aber auf dem Bienenberg gibt es keine kompetitive Stimmung. Andreas Fleck, der musikalische Leiter der Baselbieter Konzerte, betont: «Das Wichtigste bei diesem Unternehmen ist es, dass man vom Erfahrungsschatz der anderen profitiert und gleichzeitig mit anderen spielen kann: eine Osmose von grosser Erfahrung und Talent.» Vorbild ist das «International Musicians Seminar, Prussia Cove», eine gemeinnützige Organisation in England, die sich dem Musizieren auf höchstem Niveau widmet.

Junge Talente und «alte Hasen»

Am letzten Montag konnten sich alle beim Mittagessen und bei den Proben in den Seminarräumen erstmals beschnuppern. In einem der Proberäume üben Jinzhu Li (Violine), Razvan Popovici (Viola) und Diana Ketler (Klavier) das Horntrio op. 40 von Johannes Brahms. Immer wieder wird unterbrochen und über die richtige Interpretation geredet. Es wird wiederholt und wiederholt. Die 17-jährige Jinzhu Li hat am «Jascha Heifetz Wettbewerb» in Litauen den 2. Preis gewonnen. Sie ist das erste Mal in der Schweiz. «Hier oben ist es sehr ruhig», sagt sie, «und man kann sich gut auf die Musik fokussieren. Es ist kein Wettbewerb, sondern ein gemeinsames Musikmachen.» Jinzhu begann mit vier Jahren Geige zu spielen. Ihre Heimat ist die chinesische Stadt Guangzhou, die über 18 Millionen Einwohner zählt. Heute steht sie im 3. Semester an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, unter der Betreuung von Professor Erik Schumann. Ein zweites Mal spielt Jinzhu Li mit Schumann, Alberto Saldaña (Viola) aus Spanien, Valentin Radutiu (Violoncello), einem arrivierten Cellisten, und Maria Saakian (Klavier) aus Armenien. Interpretiert wird das Klavierquintett Es-Dur, op. 44, von Robert Schumann, das zu dessen beliebtesten kammermusikalischen Werken gehört. Alle sind in ihrem Part schon firm und feilen an der musikalischen Gestaltung.

Chancen für Netzwerkbildung

Aus dem Untergeschoss kommen modernere Klänge. Thorsten Johanns, Professor für Klarinette, Klara Gronet (Violine) aus Polen, Jeremias Luther (Violoncello) aus Deutschland und die Pianistin Diana Ketler interpretierten Paul Hindemiths Klavierquartett von 1938, ein experimentelles, teilweise verrücktes Stück, das oft etwas fast Unwirkliches an sich hat. Klara Gronet ist zum ersten Mal in der Deutschschweiz. «Die Idee, zusammen zu musizieren und voneinander zu lernen, ist fantastisch», sagt Gronet, deren Lebensmittelpunkt Köln ist. Jeremias Luther studiert in Dresden. «Meine Erwartungen an dieses Zusammenkommen wurden nicht enttäuscht», so Luther, der in der 15. Generation mit dem Reformator Martin Luther verwandt ist.

Die drei Konzerte der «Gipfelstürmer 2025 finden vom 21. bis 23. März statt.

Weitere Infos:

www.blkonzerte.ch.

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