Vergeistigte Klänge, weltenthoben

Baselbieter Konzerte Pianist und Dirigent Christian Zacharias in Liestal 

Abgeklärtes und vergeistigtes Spiel: Christian Zacharias. Fotos: T. Brunnschweiler

Wenn man nach einem Konzert als Publikum sprachlos staunend zurückbleibt, erhebt sich die paradoxale Frage: Wie beschreibt man musikalische Perfektion? Sie stellte sich beim sechsten Baselbieter Konzert in der Stadtkirche Liestal am 18. Februar, bei dem der weltbekannte deutsche Pianist und Dirigent Christian Zacharias die Menschen mit seinem Klavierspiel bezauberte. In der ersten Hälfte spielte Zacharias zwei Sonaten von Franz Joseph Haydn und widerlegte durch seine Interpretation das Vorurteil des harmlosen «Papa Haydn». Schon in der Sonata G-Dur Hob XVI:39 spielte Zacharias gleichzeitig auf gleichsam natürliche und übernatürliche Weise, leicht und doch akzentuiert, glasklar im Anschlag und mit sorgfältiger Pedalarbeit. Mit der Sonata C-Dur Hob XVI:48 eröffnete Haydn die späten «klassischen» Klaviersonaten. Im kontrastreichen und innigen Andante con espressione wechselte tiefgründige Erdenschwere mit daunenweicher Leichtigkeit und nur noch hingetupften Noten. Leicht und perlend ertönte das Rondo (Presto) mit dem charakteristischen Haydn’schen Humor. Zacharias’ Finger glitten wie schwebende Ballerinen über die Tastatur, um die einzelnen Tasten schlafwandlerisch und absichtslos zu treffen. In den sechs «Moments musicaux» von Franz Schubert wählte Zacharias die Tempi und die Agogik so, dass er diese wunderbare Musik zum Atmen brachte. Der Kontrast von Süsse und Bitterkeit der zwischen 1823 und 1828 entstandenen Stücke kam in einer vergeistigten Weise zum Ausdruck, wie man sie selten erlebt.

Barock trifft Neoklassizismus

Nach der Pause erklärte Christian Zacharias das Konzept des zweiten Teils. Er spielte jeweils ein Stück von François Couperin bzw. Domenico Scarlatti und eines des Neoklassizisten Francis Poulenc in Paaren. Nach Couperins «Les Moissoneurs» («Die Erntearbeiter») erklangen die «Mouvements Perpétuels» von Poulenc, die dieser im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs geschrieben hatte. Zacharias spielte kraftvoll und abgeklärt, als wäre er der Zeit und aller Erdenschwere enthoben. Nach «Les Charmes» («Die Zauber») von Couperin folgte die kurze dahinfliessende Improvisation 13 von Poulenc.

Zacharias ist Spezialist für die Interpretation der Sonaten von Domenico Scarlatti. So spielte er die Sonata in c-Moll K.158, die im Programm irrtümlicherweise als C-Dur-Sonata ausgewiesen wurde. Darauf folgte die Poulencs Improvisation 15, eine «Hommage à Edith Piaf» in c-Moll, die versucht, mit emotionalen Melodien den geistigen Extrakt von Piafs Musik wiederzugeben. Couperins Stück «Les Barricades Mystérieuses» gehört zu den oft gehörten Werken des Barockkomponisten und bezauberte mit seinem wiegenden Charakter. Als Kontrast spielte Zacharias zum Schluss Poulencs «Intermezzo 2» und «Mélancolie». Als Dank für den grossen Applaus erklang nochmals ein Stück von Couperin. Ein Klavierrezital, das lange nachklingen wird.

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